Klischees über die Liebe im Realitätscheck

„Je oller, desto doller“? Zweisam.de-Experte Dr. Stefan Woinoff entlarvt Vorurteile rund um die Liebe im reifen Alter und klärt über gängige Klischees auf

Falten machen alt, ab 50 Jahren lässt die Lust nach, Essen ist der Sex des Alters … Klischees wie diese sind weit verbreitet. Doch wie viel Wahrheit steckt hier wirklich drin? Oder haben solche Redens­ar­ten mit der modernen Liebe gar nichts mehr zu tun? Zweisam.de- Beziehungsexperte und Psychotherapeut Dr. Stefan Woinoff klärt auf:

1. „Je oller, desto doller“

„Früher meinte man mit „Je oller, desto doller“ Männer, die schamlos jüngere Frauen ansprechen. Dieses Klischee hat sich im Laufe der Zeit gewandelt“, weiß Dr. Stefan Woinoff. „Heute meint es, dass sich Menschen in der zweiten Lebenshälfte trauen, unkonventionell und innerlich freier zu leben. Es interessiert sie nicht mehr, was die Nachbarn denken.“ Jetzt sei genau die richtige Zeit, um sich das langersehnte Motorrad zu gönnen, die Tanzfläche zu stürmen, nackt in die Isar zu springen oder sich Dinge zu trauen, vor denen man bisher Angst hatte. Als Pauschalurteil tauge dieses Klischee allerdings nicht. Noch immer gebe es genügend Menschen, die jetzt deutlich mehr Schwierigkeiten hätten, aus sich herauszugehen, verrückte Träume zu leben oder der Liebe eine neue Chance zu geben.

2. „Essen ist der Sex des Alters“

Weil es im Bett jetzt nicht mehr leidenschaftlich zugeht, soll das Essen als eine Art Ersatzbefriedigung herhalten. Ein Klischee, das etwas zu kurz greift, wie Dr. Stefan Woinoff weiß: „Da ist schon etwas dran. Ich würde aber eher sagen: Kochen ist der Sex des Alters.“ Die Zubereitung von Essen und das spätere Mahl seien schöne Sinnesgenüsse, die man gemeinsam und im seelischen Gleichklang zelebriere. „Kochen ist eine wunderbare Interaktion, bei der man den geliebten Menschen verwöhnen kann. Viele Männer entdecken jetzt erst den Hobbykoch in sich, nachdem sie jahrzehntelang die Küche der Frau überlassen hatten. Nicht selten gehen sie es hochprofessionell an, besuchen Kurse und können so ihre Partnerin auf einer ganz neuen Ebene verwöhnen.“

3. „Falten machen alt“

Dieses Klischee nehmen sich häufiger Frauen zu Herzen – sie wünschen sich ein glattes Gesicht und denken, damit besser bei Männern anzukommen. Der Psychotherapeut weiß aus seiner Münchner Praxis: „Stimmt nicht! Was alt macht, ist die Angst vor den Falten. Wer unzufrieden und verbissen dreinschaut, macht einen weitaus älteren Eindruck als jemand, der glücklich und zufrieden ist.“ Heute sei es fast schon normal, sich Botox spritzen zu lassen. „Kein Mann möchte einer Frau gegenübersitzen, die aussieht wie eine Puppe. Mein Tipp: Haben Sie Spaß am Leben und ein freundliches Wesen, denn Lachfalten sind das Schönste, was es gibt“, sagt der Zweisam.de-Experte.

4. „Menschen über 50 haben keinen Sex mehr“

„Genau das Gegenteil ist der Fall“, so der Beziehungsexperte: „Gerade Zärtlichkeit wird im Alter immer wichtiger. Männer können sich jetzt meist viel mehr auf eine Frau einlassen und sie richtig glücklich machen.“ Dr. Woinoff ist überzeugt: „Wer einen Partner hat und gesundheitlich fit ist, hat auch Sex. Die Lust lässt nicht nach, nur, weil man nicht mehr Anfang zwanzig ist. Körperliche Berührung ist schließlich ein tiefes menschliches Bedürfnis, das nichts mit dem Alter zu tun hat.“ Allerdings würden sich viele Singles in dem Alter mit ihrem Schicksal abfinden, allein zu sein. Sie kämen nicht auf die Idee, aktiv auf Partnersuche zu gehen. Dabei sei eine Partnerschaft das beste Mittel gegen Einsamkeit.

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