„Birgit ist meine ganz große Liebe“

Für die wahre Liebe ist es nie zu spät! Birgit (62) und Adi (64) lernten sich vor sieben Jahren online kennen – und sind seitdem so glücklich wie in keiner Beziehung zuvor. Ihr Erfolgsrezept: Sie leben in getrennten Wohnungen und gönnen sich viele Freiheiten. Genau das schweißt sie so eng zusammen!

 

Das erste gemeinsame Weihnachtsfest – zwei Monate nach dem Kennenlernen (2012)

Beide wissen, was jetzt wichtig ist

Beide haben eine gescheiterte Ehe hinter sich und wollen alte Fehler nicht noch einmal machen. Birgit erklärt: „Mein Ex-Mann war selbstständig und hatte sein Büro zu Hause. Wir hockten zu oft aufeinander, das war eines der Probleme, die für Streitereien sorgten.“ Und Adi sagt: „In meiner Ehe wurde der Alltag zu erdrückend: Da war die Arbeit, das Haus, unsere drei Söhne – es blieb kaum Zeit füreinander. Dadurch haben wir uns auseinandergelebt.“

Birgit und Adi im Urlaub an der Ostsee (2016)

Adi ging für Birgit ein großes Wagnis ein: Der gebürtige Österreicher zog für sie in den 700 Kilometer entfernten Ruhrpott, aber in eine eigene Wohnung, da war sich das Paar sofort einig. Tat es ihm weh, das Bergpanorama gegen rauchende Schlote einzutauschen? „Kein bisschen! Ich war überrascht, wie viele schöne Ecken es hier gibt“, schwärmt er. Jeden Tag ist er in der Natur unterwegs, radelt bis zu 100 Kilometer. Früher arbeitete er als Servicetechniker, heute ist er Rentner und hat viel Zeit für sein Hobby. „Adis Waden sind schon fast so dick wie mein Kopf“, witzelt Birgit. Oft steigt er mit ihrem Sohn Daniel, 33, in den Sattel. „Die beiden verstehen sich prima“, verrät sie.

Jedem das Seine – und trotzdem zusammen

Sport ist nicht so Birgits Ding. Wenn Adi in die Pedale tritt, liegt die Oberhausenerin manchmal lieber faul auf der Couch herum. „Aber das macht überhaupt nichts“, betont Adi. „Es ist doch gut, wenn jeder seine eigene Wohlfühl-Nische hat.“ Sieben Kilometer liegen zwischen ihren Wohnungen, die sehr unterschiedlich eingerichtet sind. „Bei mir stehen viele Antiquitäten, Adi mag es lieber modern“, sagt Birgit. „Und so muss keiner Kompromisse machen.“

„Wenn Adi sich auf’s Radl schwingt, lese ich gerne stundenlang Zuhause.“ (2016)

Wochenende ist Verwöhnzeit

Wieso zieht ihr nicht zusammen? Diese Frage stellen viele Freunde. „Einige verstehen unser Beziehungsmodell nicht“, sagt Adi. „Aber für uns ist es das Nonplusultra.“ Ihre Liebe funktioniert nach Plan: Die beiden telefonieren täglich, sehen sich aber nur am Wochenende. Das verbringen sie dann allerdings komplett gemeinsam, immer abwechselnd beim einen und dann beim anderen. „Wenn meine Kollegin fragt, wo ich dieses Wochenende bin, sage ich ihr: „Ich gehe jetzt Prinzessin spielen!‘“, erzählt Birgit. „Denn wenn ich bei Adi bin, muss ich keinen Finger rühren. Ich muss weder waschen, bügeln, noch kochen oder den Tisch decken. Anders herum ist es genauso: Bei mir wird Adi zum Prinzen und ich verwöhne ihn.“

Gemeinsames Wochenende bei Adi in Tirol (2014)

„Wir genießen einfach das Zusammensein“

„Es ist eine ganz andere Beziehung“, beschreibt Adi seine Gefühle. „Hinter uns liegt ein Lernprozess. Denn im Alter weiß man: Manche Sachen sorgen einfach mehr für Stress als für Harmonie. Und die habe ich bei Birgit gefunden, sie ist meine ganz große Liebe.“ In einem Punkt haben es die zwei sicher leichter als viele jüngere Paare: Die Kindererziehung ist kein Thema mehr, es muss kein gemeinsamer Kredit getilgt oder ein Haus gebaut werden. Damit fallen viele potenzielle Reibungspunkte weg. „Wir genießen einfach das Zusammensein und sind dankbar für jeden Tag, den wir gesund miteinander verbringen können“, so Adi. In einem besonders heißen Sommer übernachteten sie zum Beispiel einfach mal auf Birgits Balkon. „Das sind unsere kleinen Abenteuer.“

„Ich bin wahnsinnig froh, einen Menschen gefunden zu haben, der so tickt wie ich.“

Natürlich ist auch ihr Alltag nicht frei von Ärger: „Ich haben einen stressigen Job“, sagt Birgit, die als Regierungsangestellte arbeitet. „Abends kann ich am Telefon mit Adi darüber reden.“ Er hört gerne zu: „Denn ich bin ja dann ausgeruht und habe den Kopf frei für ihre Probleme.“ In rund anderthalb Jahren will Birgit in Rente gehen und dann ein Ehrenamt ausüben. „Vielleicht werde ich eine Grüne Dame im Krankenhaus“, erzählt Birgit. Von Adi bekommt sie dafür volle Unterstützung. An ihren Wohnverhältnissen soll sich dann jedoch nichts ändern. Zusammenziehen ist kein Thema. „Wir können uns den Luxus von zwei Dachgeschosswohnungen leisten und bleiben so lange dort, wie wir es die jeweils über 5o Stufen hinaufschaffen“, betont Adi. „Ich bin wahnsinnig froh, einen Menschen gefunden zu haben, der so tickt wie ich. Wir leben unser Leben. Und das könnte ich mir nicht schöner vorstellen.“

1)©AnneWirtz; 2)privat; 3)privat; 4)©AnneWirtz; 5)privat 6)privat